• Benachteiligung durch räumliche Herkunft. Welche normative Relevanz hat diese Aussage?

      Schneider, Martin (UB Tübingen, 2013-01-01)
      In alltäglichen Diskursen scheint es selbstverständlich zu sein, in der räumlichen Herkunft eine Ursache für soziale Benachteiligung zu sehen. Niemand wird bezweifeln, dass jemand, der aus einem Banlieu, aus einer Favela oder aus einem sozialen Brennpunkt stammt, in seine Chancen und Handlungsmöglichkeiten benachteiligt ist. Doch welche normative Relevanz hat diese Aussage? Welche Rolle spielt die räumliche Herkunft neben anderen ungleichheitsgenerierenden Dimensionen wie Klasse, Geschlecht, Religion und ethnische Gruppe? Beantwortet werden diese Fragen durch die Verknüpfung von raumwissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und gerechtigkeitstheoretischen Überlegungen. Ein Ergebnis ist: Die Frage nach der räumlichen Herkunft zielt auf die Qualität der Lebensbedingungen. Insofern diese von normativer Relevanz ist, ist es auch die räumliche Herkunft.In daily talks it seems to be naturally that the spatial origin is a reason for social discrimination. Nobody will have doubts about the fact that someone who comes from a banlieu, favela or from an inner city has disadvantages relating to personal chances or possibilities. But which normative relevance does this statement have? Which role does the spatial origin play besides other discriminating dimensions like class, gender, religion and ethnic group? These questions were responded by a combination of considerations related to spatial, social and justice science. One result is: The question about the spatial origin aims for quality of living conditions. If the quality of living conditions have a normative relevance also the spatial origin has a relevance.
    • Prekarität als Konzept kritischer Gesellschaftsanalyse – Zwischenbilanz und Ausblick

      Dörre, Klaus (UB Tübingen, 2015-05-20)
      Prekarität gehört inzwischen »zu den großen Themen der sozial-wissenschaftlichen Gegenwartsanalyse und Zeitdiagnostik« (Aulenbacher 2009, 65). Der diskursive Erfolg des Prekaritätskonzepts korrespondiert jedoch mit einer gewissen analytischen Unschärfe des Begriffs, die in dem Maße zum Problem wird, wie nicht mehr genau klar ist, welche Phänomene die Kategorie eigentlich bezeichnet. Nachfolgend soll der Versuch gemacht werden, eine erste Zwischenbilanz der (1.) neuen soziologischen Prekarisierungsdebatte zu formulieren. Im Anschluss an (2.) eine Darstellung unterschiedlicher Verwendungsweisen des Prekaritätskonzepts folgen (3.) wichtige Forschungsergebnisse sowie (4.) offene Fragen und Kontroversen. Abschließend soll dann (5.) der Versuch gemacht werden, verschiedene Stränge der Diskussion in einem integrativen analytischen Konzept zusammenzuführen, das die neue, diskriminierende Prekarität als Durchsetzung eines Systems ständiger Bewährungsproben begreift.
    • Arnulf von Scheliha: Protestantische Ethik des Politischen

      Meireis, Torsten (UB Tübingen, 2015-05-23)
    • Philipp Hölzing: Republikanismus. Geschichte und Theorie

      Thiel, Thorsten (UB Tübingen, 2015-05-23)
    • Jan-Werner Müller: Das demokratische Zeitalter

      Reese-Schäfer, Walter (UB Tübingen, 2015-05-23)
    • Rocco Gennaro: The Consciousness Paradox

      Koller, Jürgen (UB Tübingen, 2015-05-27)
    • Karl Gabriel/Christel Gärtner/Detlef Pollack (Hg.): Umstrittene Säkularisierung

      Große Kracht, Hermann-Josef Große Kracht (UB Tübingen, 2015-05-27)
    • Ungewollte Vaterschaft. Katholische Soziallehre und Soziale Marktwirtschaft

      Emunds, Bernhard (UB Tübingen, 2015-06-01)
      In den 1950er und 1960er Jahren hatten in Westdeutschland die Vertreter des Sozialkatholizismus und der Katholischen Soziallehre einen relevanten Einfluss auf Weichenstellungen der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Trotzdem blieben sie anfangs der Sozialen Marktwirtschaft gegenüber sehr reserviert, da der Begriff in der Theorie der Wirtschaftspolitik für ein bestimmtes ordoliberales Konzept steht, das sie z.T. scharf kritisierten. Diese Frontstellung war erstens in erheb- lichen Differenzen begründet, welche die katholischen Sozialethiker zwischen dem eigenen und dem wirtschaftsliberalen Menschenbild sahen. Zweitens war die Anhänglichkeit der Katholiken an das päpstlich autorisierte Modell der Be- rufsständischen Ordnung entscheidend, das zumindest in den ersten Jahren als Alternative zum Konzept der Sozialen Marktwirtschaft begriffen wurde. Drittens schließlich divergierten die Vorstellungen der katholischen Sozialethiker über den Stellenwert des Wettbewerbs und über die Aufgaben des Staates (sowie anderer Träger der Wirtschaftspolitik) ganz erheblich von denen der Ordo- liberalen. Gerade diese Divergenzen bezüglich der Aufgaben von Wirtschafts- politik bieten interessante Anregungen für aktuelle wirtschaftsethische Debatten. During the 1950s and 1960s exponents of Catholicism and Catholic Social Ethics had relevant influence on the economic and social policy in Western Germany. Even so they were reluctant towards the «Social Market Econ- omy« (Soziale Marktwirtschaft) because in economic policy this concept was standing for an ordoliberal theory which they strictly opposed. This opposition was first of all rooted in the differences catholic social ethicists found between their own idea of man and the one of the economic liberalism. Secondly, Catholics felt bound to the concept of «vocational order» («Berufsständische Ordnung») which was authorized by the Pope and perceived as an alternative model to Social Market Economy in the first years. Finally, there were severe differences between the exponents of Catholic Social Ethics and of Ordo- liberalism about the significance of competition and the role of the state (as well as of other agents in economic policy). Especially these differences offer interesting suggestions for contemporary debates on economic policy.
    • Zu Unrecht vernachlässigt. Zur bleibenden Relevanz des katholischen Eigentumsverständnisses

      Schäfers, Michael (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Die katholische Traditionsbildung zu Eigentum und Besitz richtet sich an ord- nungspolitischen Vorstellungen aus. Die Nutzung von Eigentum und Besitz wird in einer engen Verbindung und Spannung zu den Rechten der Armen ausgelegt und unter einen legitimatorischen Vorbehalt gestellt. Ein absolu- tes Eigentumsrecht kennt deshalb die Soziallehre der Kirche nicht. Die Ord- nungsvorstellungen der Kirche gerieten durch verschiedene historische Er- eignisse und Bewegungen unter Druck und verloren an Plausibilität. Die päpstlichen Sozialenzykliken ab 1891 lösen sich von einem abstrakten Recht auf Eigentum und vollziehen den Weg hin zu einer Verzahnung die- ses Rechts mit der menschlichen Arbeit und anderen konditionalen Beding- ungen. Die jüngsten Transformationen der kapitalistischen Wirtschaftsweise machen deutlich, dass die Soziallehre der Kirche heute verstärkt eine kri- tische Auseinandersetzung zu Eigentum und Besitz führen müsste. The Catholic tradition of property and ownership is geared to regulatory requirements. The use of property and ownership is interpreted in a narrow connection with the rights of the poor, and in tension to it, and is placed under a reservation of legitimation. An absolute right of ownership is not known by the social doctrine of the Church. The concept of order of the Church got under pressure by the various historical events and movements, and lost its plausibility. The papal social encyclicals since 1891 release from an abstract right of property, and complete the path to a gear tooth with the law of human labor and other conditional terms. The recent transformations of the capitalist economy make clear that the social doctrine of the Church should now increasingly lead to a critical discussion on property and ownership.
    • Wer lebt Prekär?

      Meireis, Torsten (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Die neuerdings populäre Gleichsetzung einer »Prekariat« genannten gesellschaft- lichen Gruppierung mit der »Unterschicht«, die teils auch als »neu« bezeichnet wird, lässt sich als soziologische These nicht halten. Sie bezieht ihre Plausibilität im deutschsprachigen Raum aus einer Untersuchung, die nicht auf die Beschrei- bung sozialer Schichten, sondern politischer Milieus zielte: Das dort als »abge- hängtes Prekariat« beschriebene Milieu ist aber nur eines von mehreren, die im ärmsten Drittel der Gesellschaft verortet werden. Im internationalen Kontext dient der Begriff des Prekariats vorrangig als politisches Erkennungszeichen eines Bünd- nisses verschiedener Gruppen, unter dem sich die wachsende Zahl von Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen soll sammeln können. Dies geht auf die soziologische Einsicht Bourdieus und Castels zurück, dass prekäre Erwerbsverhält- nisse zuungunsten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen unterschiedlicher Schichten auch in Europa auf dem Vormarsch sind. The article deals with the tendency to use the term «precariat» synonymous to «lower strata of society», that has recently grown popular in the German speaking world. As a sociological thesis, however, this does not hold. It goes back to a study published in 2006 trying to identify political milieus rather than social strata. In the international political arena especially in the south-western European countries the concept is used by different political groups as a banner to rally workers employed on short term without social security. The use of the term is based on the sociological insight stating that precarious employment concerning all except the highest social strata is on the rise in western European contexts, too.
    • Die sozialethische Herausforderung aus sozial-diakonischer Sicht

      Sigrist, Christoph (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Die sozialethische Herausforderung aus sozialdiakonischer Sicht orientiert sich am helfenden Handeln als kirchlicher Auftrag. Die diesem Artikel unterlegte und aus eigener, mehr als 20-jähriger pfarramtlicher Tätigkeit genährte Arbeitshypothese geht davon aus, dass prekäre Lebensverhältnisse im alltäglichen gemeindlichen, parochialen Leben kaum oder gar nicht vorkommen. Es wird zu zeigen sein, dass Prekarisierung als Thema in kirchlichen Verlautbarungen und in der Arbeit von diakonischen Einrichtungen und gesamtkirchlichen Diensten durchaus an Gewicht gewinnt, dies gilt jedoch paradoxerweise nicht für das Leben vor Ort. Zugespitzt gesagt: Prekarisierung grenzt Menschen aus kirchlicher Sicht zweifach aus, innerhalb der Gesellschaft und zugleich aus der kirchlichen Institution. From the perspective of social diakonia, active assistance is the ethical responsibility of the church. The working hypothesis that this paper is based on, and which has been nourished by over 20 years of parish ministry, makes the assumption that precarious living conditions rarely or never occur in everyday parish life. It will be shown that precarization has indeed been gaining in importance as a topic in both church declarations and in the work of diaconal agencies and the church as a whole. This is, paradoxically, not however reflected in local realities. Precarization, more sharply put, marginalizes people doubly from the point of view of the church, both on the part of society and on the part of church institutions.
    • Zur Möglichkeit und Unmöglichkeit des interreligiösen Dialogs. Untersuchungen im Anschluss an Catherine Cornille

      von Stosch, Klaus (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Gerade im interreligiösen Dialog lauern ständig die beiden Gefahren, die an- dere vorschnell für sich zu vereinnahmen oder sich ohne triftigen Grund von ihr abzugrenzen. Religionsprojektionen aller Art drohen auf diese Weise ech- ten Dialog unmöglich zu machen. In dem vorliegenden Beitrag benennt der Autor im Anschluss an die Bostoner Theologin Catherine Cornille verschie- dene Grundhaltungen für einen fruchtbaren Dialog, die eine Würdigung von Differenz ohne Aufgeben der eigenen Identität ermöglichen sollen. Auf diese Weise möchte er Wege zu einem kritisch-reflexiven Umgang mit den eigenen Religionsprojektionen ebnen. In interreligious dialogues two dangers are always present: On the one hand the danger to take the other in the own agenda, on the other hand the danger to establish a border against the other. Thus, religious projections of different kinds menace a fruitful dialogue. In the present contribution the author follows the Bostonian theologian Catherine Cornille in naming different attitudes to inter- religious dialogue which might help to appreciate diversity without giving up the own identity. By this, he wants to clear the way for a critical-reflexive dealing with one’s own religious projections and projections of religion.
    • Diesseits der Projektion: Aus dem Alltag religionspolitischer Konflikte am Beispiel der religionspolitischen Kontroverse um das Minarettverbot in der Schweiz

      Mathwig, Frank (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Der Beitrag diskutiert die Frage religiöser Projektionen am Beispiel der religionspolitischen Kontroverse um die Minarett-Verbots-Initia-tive in der Schweiz. Ein historischer Blick auf die Orientalismusdiskussion zeigt die Kontinuität eines kritischen Islambildes auf. Zeitgleich mit der Rückkehr der Religion erlebt der Toleranzbegriff in der politischen und Rechtsphilo. sophie eine Renaissance. Die Frage, ob sich Religionsprojektionen und daraus resultierende interreligiöse Konflikte mit Hilfe von Toleranzkon- zeptionen bändigen lassen, wird skeptisch beurteilt. The article discusses the question of religious projections in the framework of the religious-political conflict surrounding the minaret controversy in Switzerland. A historical perspective on the discussion about Orientalism shows the continuity of a critical view of Islam. Simultaneously with the re- turn of religion the concept of tolerance in political philosophy and philosophy of law is experiencing a renaissance. The question of whether religious pro- jections and the resulting inter-religious conflicts can be tamed with the help of concepts of tolerance is skeptical.
    • »Wir müssen uns wohl bescheiden« Plädoyer für ein reflexives Theorie-Praxis-Verhältnis

      Goertz, Stephan (UB Tübingen, 2015-06-01)
      Christlicher Glaube kann auf Ethik nicht verzichten, wenn er praktisch werden will. Ethische Theorie alleine aber führt noch nicht zu einer Veränderung der Praxis. Theorie und Praxis besitzen eine Eigenständigkeit. Hierarchische Modelle der Zuordnung von Theorie und Praxis gehen an dieser Einsicht vorbei. Will theologische Ethik zur Verbesserung von Praxis ihren Beitrag leisten, dann hat sie ein reflexives Theorie-Praxis-Verständnis zu entwickeln. The Christian faith cannot set ethics aside if it wants to become practical. But ethical theory alone does not lead to an alteration of practice. Theory and practice are independent of one another. Hierarchical models of correlation of theory and practice do not take into account this insight. If theological ethics is to contribute to an improvement of practice, it has to develop a reflexive understanding of the relation between theory and practice.